Das Mammakarzinom ist in Deutschland die häufigste bösartige Tumorerkrankung von Frauen. Das Erkrankungsrisiko steigt ab dem vierten Lebensjahrzehnt allmählich an. Von den 72.000 Frauen, die jährlich an Brustkrebs erkranken, sind nur etwa 17.000 jünger als 60 Jahre. Die Wiederherstellung der äußeren Erscheinung leistet einen wichtigen Beitrag zur psychischen Stabilisierung der brustoperierten Frau und  zu ihrer Rückkehr in ein ganz normales Leben.

Aufbau der Brust und Entstehung des Krebses
Mit weiblicher Brust wird die milchproduzierende Brustdrüse (Mamma) bezeichnet. Das Drüsengewebe ist um die Brustwarze angeordnet. Es setzt sich aus den milchausscheidenden Drüsenläppchen (Lobula) und den Milchgängen (Ductuli) zusammen, die in Fett- und Bindegewebe eingebettet sind. Die Brust liegt dem großen und kleinen Brustmuskel (Musculus pectoralis major und minor) auf. Die Lymphbahnen (Lymphgefäßen und Lymphknoten) verlaufen zum größten Teil in Richtung Achselhöhle. Lymphknoten sind normalerweise erbsengroß, weich und kaum tastbar. Bei Entzündungen und auch bei bösartigen Erkrankungen können sie anschwellen und hart werden. Tastbare Knoten müssen aber nicht zwangsläufig bösartig sein. Mehr als drei Viertel von ihnen sind gutartig.
Bei bösartigen Tumoren (Mammakarzinome) vermehren sich die Tumorzellen ungebremst, zerstören umliegendes Gewebe und können mit dem Blut- und Lymphstrom in andere Körperregionen gelangen und Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Bösartige Tumore beginnen in den Oberflächenzellen (Epithelzellen) der Milchgänge, einige auch in den Drüsenläppchen. Hat der Tumor die Zellwände, die Basalmembran nicht durchbrochen, handelt es sich um einen auf den Entstehungsort begrenzten Tumor (carcinoma in situ). In einem solchen nicht-invasiven Frühstadium bestehen gute Heilungschancen durch eine chirurgische Tumorentfernung. Haben die Tumorzellen die Basalmembran durchbrochen und wachsen in das umgebende Binde- und Fettgewebe, spricht die Medizin von einem invasiven Tumor (Mammakarzinom).
Die Ursache für die Entstehung von Krebs liegt in einer Veränderung im Erbmaterial von Körperzellen. Warum jedoch aus einer gesunden Zelle eine Krebszelle wird, ist noch weitgehend unerforscht. Aus der Statistik lassen sich jedoch spezifische Risikofaktoren ableiten. Demnach besteht ein erhöhtes Risiko einer Brustkrebserkrankung bei Frauen

  • deren nahe Verwandte Brustkrebs hatten,
  • die älter als 50 Jahre sind,
  • die bereits früher an Brustkrebs erkrankt waren,
  • die eine Problem-Mastopathie haben,
  • bei denen in der Mammographie zahlreiche Mikroverkalkungen gefunden worden sind oder
  • bei denen eine Gewebeprobe auf ein erhöhtes Entartungsrisiko hinweist.

Die verschiedenen Möglichkeiten der Brustoperation

Um ein Mammakarzinom operativ zu entfernen, gibt es heute unterschiedliche Möglichkeiten: die radikale, die modifizierte radikale oder die einfache Mastektomie sowie brusterhaltende Operationen.
 
Mastektomie
Bei der radikalen Mastektomie wird der gesamte Brustdrüsenkörper mit den dazugehörigen Brustmuskeln und Lymphknoten entfernt. Der Schnitt erstreckt sich etwas vom Schultergelenk bis herunter zum Bauchbereich. In der Folge fällt der Brustkorb meist stark ein (vor allem in den 1970er-Jahren verwendet). Bei der heutzutage angewandten modifizierten radikalen Mastektomie werden der gesamte Brustdrüsenkörper sowie die dazugehörigen Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt. Die Brustmuskeln werden erhalten und nur entfernt, wenn sie ebenfalls von Tumoren befallen sind. Bei der einfachen Mastektomie wird das gesamte Drüsengewebe entfernt, die axillaren Lymphknoten werden belassen.

Brusterhaltende Operationen (BET)
Heute ist es bei den meisten Brustkrebs-Patientinnen möglich, bei einer Operation die Brust zu erhalten. Bei der Quadrantenresektion werden sowohl der Tumor als auch zur Sicherheit das im Quadranten befindliche Gewebe entfernt. Das kosmetische Ergebnis dieser Operationsform ist jedoch nicht immer ideal. Bei der Tumorektomie oder segmentalen Mastektomie wird der Tumor mit einem Sicherabstand von circa zwei Zentimetern zum gesunden Gewebe entfernt. In der Regel werden bei brusterhaltenden Operationen für eine exakte Diagnostik auch einige Lymphknoten aus der Achselhöhle entnommen. Von dem Eingriff bleiben meist nur kleine, kaum sichtbare Narben zurück.
 
Adjuvante Therapiemöglichkeiten
Als ergänzende oder unterstützende Maßnahmen der Brustkrebsbehandlung sind verschiedene Therapieformen möglich. Zum Beispiel die Bestrahlung und/oder die Behandlung mit Medikamenten wie die Chemotherapie oder Hormontherapie.

Strahlentherapie
Die Strahlentherapie wird sowohl vor der (präoperativ) als auch nach der Brustoperation (postoperativ) eingesetzt. Präoperativ soll sie das Wachstum des Tumors stoppen oder ihn verkleinern. Postoperativ sollen eventuell noch vorhandene Krebszellen in der Brust oder im Narbenbereich abgetötet werden, um ein erneutes Auftreten der Krankheit zu verhindern. Mögliche Nebenwirkungen wie Verbrennungen können durch genaue Berechnung von Dosis und Ort reduziert werden. Dennoch ist die betroffene Hautpartie während der Dauer der Strahlentherapie – in der Regel fünf bis sechs Wochen– ausgesprochen sensibel.

Chemotherapie
Ziel der Chemotherapie (prä- und postoperativ) mit Zytostatika ist es, die Zellteilung zu hemmen und die Zellen abzutöten, um die Bildung von Metastasen zu verhindern. Sie wird eingesetzt, wenn die Tumorzellen bereits im Körper gestreut haben. Bei der Chemotherapie werden jedoch nicht nur Krebszellen, sondern auch gesunde, sich schnell teilende Zellen geschädigt, wie etwa die Haarwurzelzellen und die Zellen des Magen-Darm-Trakts: Deshalb sind Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen möglich. Durch eine individuell abgestimmte Kombination von Präparaten in Verbindung mit Medikamenten gegen Übelkeit und Brechreiz kann den Nebenwirkungen entgegengewirkt werden.

Hormontherapie
Bei einigen Brusttumoren handelt es sich um hormonrezeptorpositive Tumore, die unter Einfluss von Hormonen wie Östrogen entstanden sind. Bei diesen Tumoren können die Patientinnen nach der Operation eine Hormonbehandlung erhalten, die der Hormonproduktion im Körper entgegenwirkt.

Möglichkeiten der Brustrekonstruktion
Ein zunehmend wichtiger Bestandteil der Genesung nach dem Verlust der Brust ist der äußere Ausgleich durch eine Brustepithese oder den Wiederaufbau der Brust. Für die Rekonstruktion gibt es verschiedene Verfahren und Techniken – entweder durch körperfremde Implantate aus Silikon oder Kochsalz oder durch körpereigenes Gewebe. Dieses wird entweder aus dem großen Rückenmuskel oder dem Unterbauchgewebe entnommen.

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